11. Juni 2020

Johanna Weise erzählt aus ihrem bewegten Leben

Gerade rechtzeitig für uns Frauen vom 55+ wurde die 5–Personen-Beschränkung vom Bundesrat aufgehoben und wir konnten endlich wieder einen Anlass durchführen. Mit Frau Johanna Weise aus Trogen als Referentin erwartete uns ein interessanter Nachmittag.
Johanna Weise erlebte eine glückliche Kindheit in einer sehr musikalischen Familie, der Vater Dirigent, der Grossvater Bratschist und die Mutter Sängerin. Ihre Schulaufgaben erledigte sie jeweils unter dem Flügel der Mutter.
Schon bald aber brach die Nazizeit an und ihr Vater sollte eine SA Musikkapelle gründen. Das wollte er aber nicht machen, und entschied sich, zum Militär zu gehen und dort Kapellmeister zu werden. Einfach nur nein zu sagen, das ging bei den Nazis nicht, ganz sicher nicht ohne Konsequenzen. So übersiedelte die Familie nach Jena. Jena darum, weil dort viele bekannte Dichter und Denker wären, sagte ihr Vater.
Johanna war eine gute Schülerin, Mathe lag ihr nicht besonders, Deutsch und Geschichte umso mehr. Ihr Berufswunsch war ihr schon recht früh klar: Kostümbildnerin.
Während dem Krieg und auch kurz danach war aber nicht daran zu denken, in die Schule zugehen und Abitur zu machen. Stattdessen arbeitete sie in einem Lazarett und machte gar eine Lehre als Zahnarztgehilfin. Ihren Berufswunsch aber hat sie auch während dieser Zeit nie aus den Augen verloren.
Noch vor dem Mauerbau gelangte sie auf ganz legalem Weg nach Westberlin und konnte endlich ihr Studium aufnehmen. Sie fand Aufnahme in einem Studentenheim und bekam ein kleines Stipendium. Dieses reichte aber gerade mal für das Abo der S-Bahn.
Zum Ende ihrer Ausbildung sah sie per Zufall in einer Theaterzeitung das Inserat "Solothurn sucht eine Kostümbildnerin" Ihr Vorstellungsgespräch verlief positiv und so hatte sie kurze Zeit danach eine Anstellung in der Schweiz. Nach ein paar Jahren kam dann die Anfrage vom Stadttheater St. Gallen. Dies ist die ganz kurze Version vom Leben der Johanna Weise.

Wie versprochen, habe ich das Gespräch aufgezeichnet und auf einen USB Stick geladen. Interessierte können ihn bei mir abholen. Ich kann es euch nur empfehlen; es ist sehr spannend, Johanna beim Erzählen zuzuhören. Ich jedenfalls habe es genossen, ihr zuzuhören und ich weiss, sie hätte noch viel mehr zu erzählen und wir könnten noch einen weiteren Nachmittag mit ihr verbringen.

Herzlichen Dank, Johanna. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit in Ihrem neuen Daheim in St. Gallen.

Bericht: Maria Helfenstein