13. Dezember 2018

Advents- und Weihnachtsbräuche anderswo

Südschweden
Gun Buner berichtete von ihrer Familie. Stockfisch musste gewässert werden. Gun hielt sich beim Wasserwechsel die Nase zu. Das Haus wurde geputzt, die Teppiche geschrubbt, zu Radiomusik das Silber poliert und der rote Weihnachtsvorhang aufgehängt. Weiss-, Rot- und Federkohl wurden gerüstet, der Schinken für das Julbord gekocht. Eine Schweinehälfte wurde zu Würstchen, Sülze und Pastete verarbeitet. Die Mutter setzte Graved Lachs an.
Am 24. Dezember gab’s um vier Uhr nachmittags Glühwein, alkoholfrei für die Chauffeure des Taxiunternehmens, Geschichten wurden vorgelesen, Musik gespielt und Pfefferkuchen durch leichten Druck im Handteller gebrochen. Zerbrach er in drei Teile, hatte man drei Wünsche frei, durfte aber nicht dabei sprechen. Sonst erfüllten sie sich nicht. Die Chauffeure brachten die Bewohner der Region zu ihren Verwandten. Der Milchreis vor dem Haus verschwand regelmässig, aber Gun sah den Elch mit dem Schlitten nie. Am späten Abend lief das Telefon wieder heiss, da die Festgäste wieder nach Hause wollten.
Am Weihnachtstag ging man um fünf Uhr früh mit Fackeln zur Kirche. Zum Mittagessen gab’s Truthahn. Der schönste Tag der Weihnachtszeit war der 26. Dezember, an dem sich der ganze Klan bei den Grosseltern traf und die Polonaise vom Haus zum Stall und wieder zurück führte ohne dass jemand über Dreckspuren schimpfte.

Holland
Gerry Züger erzählte: Die festliche Zeit beginnt Mitte November, wenn in Amsterdam das Schiff mit dem Nikolaus und über hundert „Swarte Piet“ aus Spanien ankommt. Die Kinder stellen einmal in der Woche Schuhe mit einem Rüebli für das Pferd und einer Zeichnung vors Haus. Gruppen von mindestens sechs Kindern singen bei leicht geöffnetem Fenster miteinander in der Stube bis eine schwarze Hand einen Sack mit Nüssli, Schokolade und Früchten hereinstreckt. In jedem Dorf kommt der Nikolaus vor dem 6. Dezember vorbei. Am Nikolaustag hat jedes Kind auf dem Tisch seine eigene Ecke mit Geschenken.
Gerry und ihre Geschwister bastelten aus Papier eine Grotte, in welcher die Krippe aufgebaut wurde. Am 24. Dezember ging man zu Bett und wurde um halb zwölf geweckt für die Mette. Am Weihnachtstag gab es ein festliches Essen. Die „Weihnachtsgeschenke“ hatte man ja bereits am 6. Dezember bekommen.

Westafrika
Silvia Ndiaye feierte in den Siebzigerjahren Weihnacht an der Elfenbeinküste, in Guinea und im Kongo. Weihnachten wie zu Hause bereitete ihr Kopfzerbrechen. Die Mailänderli zerliefen in der feuchten Hitze, hin und wieder gab es keinen Strom, so dass Nahrungsmittel zu Hause wie in den Läden verdarben. Ihr Mann war Moslem. Silvia besorgte einen Baum mit Lichterkette, liess eine LP mit einem Kinderchor aus Luzern laufen – kurz sie machte alles um für ihre Familie Weihnachtsstimmung zu zaubern. Kollegen des Mannes, die an Heiligabend mit einer Flasche Champagner anrückten, passten nicht in ihr Konzept. Noch viel weniger stimmte es für sie, als ihr Mann sich mehr seinem Glauben zuwandte und das höchste Fest der Muslime einmal auf den 24. Dezember fiel. Nachdem die Familie der zeremoniellen Schlachtung eines Schafs beigewohnt und am späteren Nachmittag vom gebratenen Fleisch gegessen hatte, wurde Silvias Geschnetzeltes zu Hause nicht mehr gewürdigt.

Brasilien
Brigitta Müller beschrieb Advent und Weihnachtszeit als blinkende farbige Fülle. Das Fest fällt in den Hochsommer mit bis 40° Hitze. Adventskränze fehlen, auch andere Adventsbräuche. Papa Noel kommt per Helikopter ins Maracana-Stadium in Rio de Janeiro. Er trägt volles Weihnachtsmannkostüm und begrüsst 200'000 Kinder. Am Strand wird eine 85 Meter hohe Kiefer aufgestellt und geschmückt.
Zu Hause legte Brigitta Ästchen hin, auf denen die Kerzen in kürzester Zeit schmolzen beim Abbrennen. Brasilianer essen zu Weihnachten Truthahn mit einer Maniok-Knoblauch-Zwiebel-Speck-Füllung. Dazu gibt’s Reis der dank Lebensmittelfarbe in allen Farben leuchtet und exotische Früchte. Auch ein spezieller Pudding gehört dazu. Am Heiligen Abend geht man in die Mitternachtsmesse und schläft dann aus. Zum eigentlichen Fest trifft man sich beim ältesten Familienmitglied. Der 26. Dezember ist ein normaler Arbeitstag. Der Ursprung der Bräuche liegt wohl in Portugal und Deutschland.

Bericht: Hanni Brogle