17. Mai 2018

Haariges

Die Kunst des Herstellens von Schmuckstücken aus Haar ist nicht etwas typisch Appenzellisches oder Ostschweizerisches. Sie war im Mittelalter auch im nördlichen Europa bekannt. Königin Victoria von England liebte und schätzte Schmuck aus kunstvoll geflochtenem Haar sehr. In der Biedermeierzeit gehörten Erinnerungsstücke aus Haaren zum Freundschaftskult. Es gab den Brauch, dass die Braut dem Liebsten eine aus dem eigenen Haar geflochtene Uhrkette schenkte.
In unserer hektischen, schnelllebigen Zeit droht die Kunst des Verarbeitens von Haaren verloren zu gehen. Momentan gibt es nur noch drei aktive Haarflechter. Jakob Schiess ist einer davon. Er interessiert sich für das Appenzellische Brauchtum. Weil er nach einem Verkehrsunfall das Silvesterklausen nicht mehr ausüben konnte, suchte er sich ein neues Hobby. Er fand es im Haarflechten. Dieses Handwerk hat er vor zehn Jahren erlernt. In geduldigem Pröbeln fertigt er aufwendigen Haarschmuck nach eigenen Entwürfen an.
An seinem Webstuhl, der 'Jatte', zeigte er uns sein Handwerk. Vierundzwanzig beeindruckte Besucherinnen lauschten mäuschenstill (ist wahr!) seinen Erklärungen und Informationen!
Viel Geduld und grosses handwerkliches Geschick sind schon beim Vorbereiten des zu erstellenden Gegenstandes gefragt. Bis ein Zentimeter geflochten ist, braucht es eine Stunde Zeit. Beeindruckt über das Gesehene und Erlebte, hoffen wir, dass diese alte Kunst noch lange erhalten bleibt.

Bericht und Fotos: Silvia Fritz

Tele Ostschweiz 9. Dezember 2013
Jakob Schiess - der informative Erzähler
Die Jatte - 'Webstuhl' des Haarflechters
Interessierte Zuhörerinnen
Ohrschmuck - sogenannte 'Eicheli'
Schmuck aus roten Haaren
Fensterbild zum Totengedenken
'Alter Zopf' Das Ausgangsmaterial
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